Bekenntnisse eines Kartenmuffels

Es ist wohl eine der ironischen Wendungen des Lebens, dass ich, bekennender Kartenmuffel und fanatischer Email- und Facebook-Fan, angefangen habe, Karten zu verkaufen: Ich war immer die Person, die sich ums Kartenschreiben gedrückt hat (im Zweifelsfall auch einfach mal ein post-it auf ein Geschenk geknallt hat – jepp, forschtbar, ich weiß), es aber unglaublich toll fand, eine schöne Karte mit lieben Grüßen zu erhalten – wer findet das auch nicht toll? Viele Karten, die ich in den letzten Jahren erhalten habe, kann man noch immer an unserer Pinnwand bewundern und ich weiß bei jeder Karte, von wem sie stammt und zu welchem Anlass sie geschickt wurden.

Fazit: Karten kriegen? Suuuper! Karten schreiben? Och nöö….

Woran lag das nun? Vielleicht an meiner Bequemlichkeit, wenn es darum ging,  mal wieder einen Stift in die Hand zu nehmen, eine Aktivität die seit der Schulzeit mehr und mehr in Vergessenheit geriet? Wahrscheinlich. Seit Facebook sowieso – es war immer so viel einfacher und bequemer ein paar nette Zeilen auf Facebook zu schreiben, anstatt eine Karte zu kaufen, zu schreiben und zu verschicken…

Was hat sich nun auf einmal geändert (ich vermute mal, Ihr habt Euch schon gedacht, dass sich was geändert hat, gelle)?

Seitdem ich nun plötzlich ein Dutzend Kartons mit meinen eigenen Karten im Arbeitszimmer stehen hatte, ertappte ich mich auf einmal ständig dabei, Karten zu verschicken oder ein paar liebe Geburtstagsgrüße auf einer meiner Postkarten einem Geschenk beizulegen: Die Antwort ist also recht simpel (sorry, Hallmark!): Ich fand bisher einfach keine Karte individuell bzw. schön genug, viele Grußkarten fand ich sogar sehr langweilig… Erschwerend hinzu kam, dass  ich ehrlich gesagt generell keine Karten mit Schriftzug mag. Letzteres machte es für mich als Kartenmuffel nicht einfacher, wenn ich mal wieder eine Karte im Supermarkt gekauft habe (ich senke mein Haupt in Scham an dieser Stelle…). Die letzten Karten, die ich wirklich toll fand, waren die IKEA-Karten mit den Quietsche-Entchen drauf (jepp! Kennt die noch jemand?), und die waren leider schnell verschickt. Und IKEA ist auch definitiv zu weit weg von Marburg, um mal schnell zum Kartenkaufen zu fahren (Marburg braucht ein IKEA!). Oder kennt Ihr die Schwarz-Weißpostkarten mit den starken Frauen? Ich habe die mit Pipi Langstrumpf und Miss Marple an der Wand hängen. Wie so oft in meinem Leben als Ästhetin kam es also in erster Linie auf das Motiv an. Und naja, was soll ich sagen, ist ja eigentlich klar, dass man seine eigenen Motive mag, oder? 😉

Jedes Mal wenn ich jetzt eine Karte schreibe, freue ich mich. Ich freue mich, dass ich mir Zeit nehme, um einer für mich wichtigen Person ein paar Zeilen zu schreiben. Ich freue mich, dass ich weiß, dass die Karte für den Empfänger etwas besonderes ist und viel mehr Wert hat als eine kurze Facebook-Nachricht (nimm dies, Zuckerberg!). Und ich freue mich natürlich auch, weil ich stolz auf meine Karten bin (so, jetzt ist es raus, die Wahrheit kommt ans Licht!).

Wie so vieles in unserer modernen Welt, haben wir durch unsere schnelllebige, bequeme, High-Speed-Internet-dominierende Lebenswelt auch ein Stück an Schönheit verloren. Und Langsamkeit. Wir hetzen oft durch unseren Alltag und nehmen uns zu wenig Zeit für die Menschen in unserem Leben – ich ertappe mich oft selbst dabei mal wieder zu hetzen und Sachen nochmal schnell-schnell zwischen Tür und Angel zu erledigen (meistens mehrere gleichzeitig, is‘ doch logisch). Schade eigentlich, oder?  Insofern werde ich jetzt einer alten Freundin für ihren handgeschriebenen Brief (!) danken, über den ich mich so sehr gefreut habe. Natürlich mit einer Karte.

© Katja Bozarth 2013. All rights reserved.

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