Die Kunst des (alltäglichen) Sehens

Es gibt wahrscheinlich nichts schwierigeres, als als Fotograf das Neue im Alltäglichen zu finden und zwar immer und immer wieder, jeden Tag. Um nicht aus der Übung zu kommen, stelle ich mir ab und zu selbst verschiedene kleine Aufgaben, um mein Sehen und meine Aufmerksamkeit zu schulen.

Die Idee zu der unteren Collage habe ich aus einem meiner Lieblingsfotobücher erhalten: „Visual Poetry“ von Chris Orwig, für das ich an dieser Stelle unbedingt einmal Werbung machen muss. Orwig ist warhscheinlich der inspirierenste Fotografie-Lehrer, den ich kenne. Er ermuntert in seinen Büchern, seinen eigenen Weg zu finden und zu verfolgen und appeliert oft an das Schlichte, aber Kraftvolle in Bildern. Alle seiner Bücher sind über Amazon erhältlich (deutscher Titel: „Der inspirierende Augenblick“).

Es ging in der Schilder-Aufgabe darum, möglichst viele Schilder in der näheren Umgebung (in meinem Fall Marburg-Bauerbach) zu finden, zu fotografieren und dann die besten zu einer Collage zusammenzufügen. Ich bin an drei verschiedenen Vormittagen also rausgegangen und war wie so oft, wenn ich mit meiner Kamera unterwegs bin, verblüfft über die Vielfalt an Schildern, an denen man sonst ohne sie groß zu beachten vorbeiläuft und sie höchstens unterbewusst wahrnimmt, da man in der Alltagshektik verlernt hat, wirklich aktiv zu sehen.

Ich habe Fotos für die Collage ausgewählt, die meiner Meinung nach am meisten Charakter haben, wie „Uschis Preiskiller“ oder „Tonis Wurstladen“. Aber auch den kuriosen Aufkleber „Kein Eis für Nazis“ (einer Aktion  der Linken) oder die Plakette vom „Verschönerungsverein Bauerbach“ wollte ich auf jeden Fall mit reinnehmen.

Das Schöne an dieser Aufgabe war für mich zu sehen (im wahrsten Sinne des Wortes), dass Schilder auch den Charakter eines Ortes ausdrücken können und eben nicht nur genormte, allerorts gültige „Massenware“ sind und dass es auch im Bereich des Allgemeinen das Besondere und Kuriose gibt.

Signs Collage© Katja Bozarth 2012

 

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